Ach. Pizza in den Ofen getan und eingeschlafen, jetzt riecht es überall nach lecker Holzkohle und die drecks Fliegen stürmen hier hoch in mein Zimmer und paaren sich im Duft, als gäbe es nicht genug Scheiße unten auf der Straße.

Die Mucke zu der wir derbst abgehen ist echt n Thema für sich, dass ich hier erstmal gesondert abhandeln will.

Es geht ja bei jeder Subkultur darum sich abzugrenzen, da sind wir Derbster echt nicht anders. Allerdings gibt es bei uns keine expliziten Bands oder Konzerte. Und ich meine, mal ehrlich, dieser Starkult ist doch auch voll für den Arsch! Fast alle Subkulturen haben ihre künstlichen Helden und bauen um sie herum Mythen und Legenden auf. Ich kann mir keinen größeren Verrat an der Individualität vorstellen, als in einer riesigen, im gleichen Takt movenden, Menge zu stehen und eine Figur anzugeifern, die da überhöht auf der Bühne, ihre Show abzieht. Und ich sag euch, es ist scheiß egal, das gibt es überall. Vom Hippie bis zum Emo bis zum Metaller bis zum Punk. Ihr müsst euch nur mal umschauen. Im Grunde ist das nicht viel anders als im Nationalsozialismus oder Sozialismus. Alle wollen gleich sein, alle denken das selbe und gehen in der Masse auf und feiern ihre eigene Unzulänglichkeit. Da stört es dann auch nicht wenn man völlig entgleist und die eigene Lächerlichkeit auch noch feiert, wenn x-tausend Andere das auch machen. Und dabei glaubt jede Subkultur sie selbst würde sich von den „Normalen“ und dem Mainstream abgrenzen. Dabei wiederholen sie die Massenbewegungen, bloß in anderen Farben. Die dreckige Kopie eines dreckigen Orginals.

Wir Derbster feiern also nie die Künstler, über die erlauben wir uns kein Urteil. Wir feiern immer nur die Tracks.

Zudem gibt es keine Musikrichtung die in ihrem Selbstverständnis derbster wäre. Andere Subkulturen nutzen ihren Musikstil um sich von der Gesellschaft abzugrenzen, generieren damit aber nur ihre eigene Parallelgesellschaft und schaffen es so dann auch wieder zurück in den Mainstream. Man muss sich nur mal die Hippiemusik anschauen. Was in Drogen durchfluteten Jam-Sessions entstand, wurde zu einer pseudorevolutionären Massenbewegung und geistert heute in Dauerschleifen durch den Tele-Shopping-Kanal.

Die Musik die uns Derbstern richtig gut gefällt und zum dezenten Tanzen einlädt ist Fahrstuhlmusik. Wir stehen auf Ambiente Sound, Chillout, Lounge und experimentelle entspannte Stücke. Ruhige und langsame Musik ist atmosphärischer und bärbeißiger als der Künstlich aufgezogene Pathos und emotionale O-Ton der Populärmusik. Ich höre Musik um Musik zu hören, nicht um meine Probleme zu verarbeiten oder um den Künstler und seine Show für mich als Identifikationsobjekt zu nutzen.

Guten, tiefen, atmosphärischen Sound zu finden, hinter dem etwas steckt, der sich nicht in eine Form, ein Gefühl oder eine Geschichte pressen lässt, das ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Derbster.

Ich hoffe mein Blog wird dabei helfen, derben Sound unter das Volk zu bringen.